Visual Kompetenzen

Mord und Totschlag gehören seit den zehn Geboten des Alten Testaments zum Kernbestand staatlicher Strafgesetzbücher. Auch Strafprozesse in modernen Demokratien widmen der gerichtlichen Aufklärung eine außerordentliche Aufmerksamkeit. Nirgendwo anders gibt es größere Öffentlichkeit, nirgendwo anders wird so intensiv ermittelt und vor Gericht verhandelt. Bei keinem Delikt ist der Erfolgsdruck bei den staatlichen Institutionen so groß. Nirgendwo ist Strafverteidigung notwendiger als bei Schwurgerichtsprozessen.

Der fälschlich Angeklagte sieht sich nicht nur einer Phalanx von Indizien einer großen Ermittlungskommission ausgesetzt, zumeist soll er auch von einer Masse von Gutachten überführt werden. Gute Verteidigung setzt hier Kompetenz, Fleiß und Hartnäckigkeit in einem Ausmaß voraus, wie sie nirgends sonst vor Strafgerichten gefragt sind.

Ist es das Ziel der Verteidigung, Verständnis für das Handeln des Beschuldigten in einer außerordentlichen Situation zu vermitteln, ist psychologisches Einfühlungsvermögen gefragt; auch bei erfahrenen Gerichten ist der mitfühlende Blick auf das Geschehen durch die tödlichen Folgen getrübt.

Die katastrophalen Folgen einer Verurteilung rechtfertigen besonderen Aufwand auf der Verteidigerbank. Eine lebenslange Freiheitsstrafe kann schon beim Versuch eines Mordes verhängt werden. Allein der Kampf um die rechtliche Einordnung eines Geschehens in den Bereich des Totschlags kann zu einer Halbierung der Strafzeit führen. Die fundierte Verteidigung mit dem Ziel einer verminderten Schuldfähigkeit kann der Hoffnungslosigkeit eines zerstörten Lebens des Angeklagten eine Perspektive verschaffen.

In zum Teil spektakulären Prozessen haben die Anwälte des strafverteidiger|büros unter Beweis gestellt, dass sie sich den Herausforderungen von Schwurgerichtsverfahren erfolgreich stellen.