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Allein der Verlauf des Ermittlungsverfahrens kann den wirtschaftlichen Ruin des beschuldigten Bürgers darstellen. Die jüngsten Gesetzesänderungen zur so genannten Vermögensabschöpfung und insbesondere die hierauf gerichteten vorläufigen Maßnahmen einer rigorosen staatsanwaltschaftlichen Praxis lassen den Betroffenen einem ungewissen wirtschaftlichen Schicksal entgegentreiben, lange bevor eine gerichtliche Klärung eines strafrechtlichen Schuldvorwurfs auch nur in Gang gesetzt wurde.

Im schlimmsten Fall erfährt er von der Existenz eines gegen ihn gerichteten Ermittlungsverfahrens und gleichzeitig, dass seine sämtlichen Konten durch die Staatsanwaltschaft beschlagnahmt worden sind, seine Ansprüche gegenüber Lieferanten oder Lebensversicherungen gepfändet wurden und zu allem Überfluss eine Sicherungshypothek auf seinem privaten Grundstück eingetragen wurde. Noch bevor er Verteidigungsmaterial gegen haltlose oder weit übertriebene Vorwürfe zusammen tragen kann, hat er sein Personal mangels Gehaltszahlungen verloren, sind ihm die Büro- und Wohnungsräume aufgrund Mietrückstandes gekündigt worden, ist seine Einkommensgrundlage faktisch innerhalb kürzester Zeit vernichtet worden.
Es ist eine der wichtigen Beratungsaufgaben der Strafverteidigung, den Mandanten bei drohendem Ermittlungsverfahren auf diese „worst case“-Szenarien vorzubereiten und bei durchgeführten Zwangsmaßnahmen deren Auswirkungen zu minimieren. Ist der Betroffene unvorbereitet Opfer von staatsanwaltschaftlichen Maßnahmen geworden, ist das schnelle Handeln von Strafverteidigung notwendig.

Der formale dingliche Arrest der Staatsanwaltschaft soll mögliche Sanktionen des Verfalls oder der Einziehung in einem später möglichen Strafurteil sichern. Daneben darf in der frühen Phase der Ermittlungen die Staatsanwaltschaft auch zur Sicherung zivilrechtlicher Ansprüche tätig werden (sog. Zurückgewinnungshilfe). Gerade Straftaten des Betruges, der Untreue oder der Korruption gehen regelmäßig einher mit zivilrechtlichen Schadensersatzansprüchen eines Geschädigten. Ruinöse staatliche Zwangsmaßnahmen sind damit auch in Fällen denkbar, in denen der Betroffene sich u.U. parallel langwierig zu klärenden Ersatzansprüchen eines angeblichen Geschädigten ausgesetzt sieht.

Gegensteuernde Maßnahmen der Strafverteidigung verlangen nicht nur viel Phantasie, sondern auch präzise Kenntnisse der rechtlichen Möglichkeiten der Ermittlungsbehörden sowie eine realistische Einschätzung ihrer Vorgehensweise. Die Anwälte des strafverteidiger|büros helfen, bereits im Vorfeld durch organisatorische Maßnahmen dafür Sorge zu tragen, dass ein funktionierender Arbeitsbetrieb des Betroffenen auch nach der Beschlagnahme des persönlichen Vermögens weiterlaufen kann. Gibt es bereits Arreste, sind vollstreckungsrechtliche Erfahrungen ebenso von Nutzen wie die Kompetenz, die Arrestanordnung effektiv durch Beschwerden anzugreifen. Verhandlungen mit der Staatsanwaltschaft können zumindest kurzfristig zu einer erträglichen Reduzierung der Zwangsmaßnahmen führen.