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Der Zeuge im Strafverfahren hat eine der schwierigsten und undankbarsten Aufgaben. Das Gesetz legt ihm sehr weitgehende Verpflichtungen auf, die möglicherweise sein Leben einschneidend beeinflussen. Er hat auf Ladungen von Staatsanwaltschaft und Gericht zu erscheinen. Er hat darüber hinaus eine wahrheitsgemäße Aussage zu machen und ist unter Umständen sogar gezwungen, diese abschließend zu beeiden.

Wahrheit ist im Zusammenhang mit dem Strafverfahren ein relativer Begriff. Zu Recht fürchten daher viele Zeugen, dass sie trotz einer Aussage nach bestem Wissen und Gewissen persönlichen Vorwürfen ausgesetzt werden könnten. Was zum Gegenstand der Untersuchung vom Zeugen gesagt werden muss, welche Worte er wählen sollte oder was er weglassen darf, kann der in Strafsachen unerfahrene Bürger zumeist selbst nicht lösen. Hier ist es bereits im Vorfeld für den Zeugen sinnvoll, sich des Rats eines kompetenten Strafverteidigers zu bedienen.

Eine der schwierigsten Rechtsfragen stellt sich häufig erst während der Vernehmung eines Zeugen. Dieser kann entgegen seiner Wahrheitspflicht ausnahmsweise eine Aussage verweigern. Die Gründe hierfür sind vielfältig und kompliziert. Der häufigste Grund liegt in der Gefahr, dass der Zeuge sich oder einen nahen Angehörigen unter Umständen durch eine Aussage gefährden könnte. Ein Strafverfahren könnte gegen ihn selbst eingeleitet werden. Die Auslegung des § 55 StPO, in dem dieser Grundsatz niedergelegt ist, stellt eine der kompliziertesten Rechtsfragen der Strafprozessordnung dar.

Aus diesem Grund hat bereits das Bundesverfassungsgericht in den 70iger Jahren festgestellt, dass zur Beantwortung dieser Rechtsfrage sich der Zeuge auch rechtlichen Rats bedienen kann. Damit war die Figur des anwaltlichen Zeugenbegleiters geboren. Seitdem kann in deutschen Gerichtssälen ein geladener Zeuge in Begleitung seines Anwalts erscheinen. Dieser kann während der Vernehmung eingreifen, wenn beispielsweise unzulässige Fragen an den Zeugen gestellt werden oder Fragen im Hinblick auf ein Auskunftsverweigerungsrecht nicht beantwortet werden sollen.

Mittlerweile ist die Aufgabe des anwaltlichen Zeugenbegleiters auch in der Strafprozessordnung teilweise geregelt. Damit ist auch in der StPO anerkannt, dass sich ein Zeuge sowohl bei der Polizei als auch bei Staatsanwaltschaft und Gericht von einem anwaltlichen Zeugenbegleiter unterstützen lassen kann.

Eine sinnvolle Hilfe in dieser Situation kann ein Zeuge nur von einem Anwalt erhalten, der nicht nur das Strafprozessrecht als sein Spezialgebiet auffasst, sondern darüber hinaus die Üblichkeiten der Vernehmungen kennt und daher zu Gunsten seines Mandanten eingreifen kann. Es gehört zu den wichtigen Aufgaben der Anwälte im strafverteidiger|büro, diese Aufgabe für den rechtssuchenden Zeugen-Mandanten wahrzunehmen.

Literatur

Ulrich Sommer, Auskunftsverweigerungsrecht des gefährdeten Zeugen, StraFO 1998, S. 8 ff.